Das bedeutet: Der Betrag des negativen Eingangswiderstands muss größer sein als der Serienwiderstand (ESR) des Quarzes.
Nur dann entsteht eine Nettoverstärkung, die zum Anschwingen führt.
F.2: Einfluss auf die Anschwingsicherheit
Ist der Betrag des negativen Eingangswiderstands zu klein (also −Rneg zu schwach ausgeprägt), passiert Folgendes:
- Der Quarz erhält zu wenig Energie → langsame oder gar keine Anschwingung
- Die Oszillation setzt erst bei höherer Versorgungsspannung oder Temperatur ein
- Das Start-up in Low-Power-Betriebsarten wird unzuverlässig
Typische Ursache:
Einige moderne MCUs haben aus Effizienzgründen schwache Oszillatorverstärker, wodurch −Rneg kleiner ist als bei älteren IC-Generationen. Gleichzeitig arbeiten viele Designs mit kleinen Lastkapazitäten oder langen Leiterbahnen, was parasitäre Verluste erhöht.
F.3: Warum Quarze mit niedrigem ESR besonders wichtig sind?
Der ESR des Quarzes definiert seine inneren Verluste. Ein niedriger ESR bedeutet:
- geringere Verluste
- geringere notwendige Gegenverstärkung
- hohe Anschwingsicherheit auch bei schwachen Oszillatorstufen
- geringere Startzeit
- stabileres Schwingen über Temperatur
Praktische Empfehlung:
- Verwende Quarze, deren ESR deutlich unter dem vom IC spezifizierten Maximalwert liegt.
- Wenn ein Mikrocontroller z. B. max. 70 Ω ESR vorgibt, ist ein Quarz mit 30–50 Ω ESR ideal. Damit bleibt ausreichend Sicherheitsmarge gegenüber einem möglicherweise niedrigen negativen Eingangswiderstand des Oszillators.
F.4: Fazit zum Zusammenspiel von −Rneg und Quarz-ESR
Die Anschwingsicherheit hängt wesentlich davon ab, dass:
- der interne Oszillator genügend negativen Eingangswiderstand liefert,
- der Quarz einen ausreichend niedrigen ESR aufweist,
- die Lastkapazitäten korrekt dimensioniert sind.
Nur bei korrektem Verhältnis von −Rneg zu ESR startet der Quarz schnell, zuverlässig und über den gesamten Temperatur- und Spannungshub hinweg.